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Dolomiten 2008 |
| 30.09.2008 |
| Blog/Media >> Reisen Europa |
Über diese Woche kann ich mich wirklich nicht beklagen. Da die Arbeit für diese Woche schon am Mittwoch erledigt war konnte ich mich ab Donnerstag voll meiner Leidenschaft widmen. Die Situation vor Ort; Wie gewohnt um diese Jahreszeit im Engelbergertal. Hochnebel, feucht, kalt. Bise eben...genug stark um die ganze Feuchtigkeit an die Voralpen zu pressen, zu schwach um irgendwo anständig mit der Bise zu soaren. Dann halt eben an die Büelen um Sackflug zu trainieren. Ein bisschen rumsacken, ein bisschen asysaten...in der Büelen kommt man auf etwa 1 1/2 Manöver pro 30 Minuten! ;-) Die Bise soll endlich verschwinden oder stärker blasen!!
Wie gewünscht, so geschehen. Am nächsten Tag perfekte Bedingungen am Hummel bei Einsiedeln. Stundenlanges soaren und synchro fliegen mit Benno. Fett...langsam funktionierts mit der Synchrospirale.
Da der Nordwind tendenziell wieder abgeben soll beschliesse ich übers Wochenende in die Dolomiten zu fahren. Ich steige noch am gleichen Abend durchgefroren und mit meinem, wie es sich für's Bisensoaren gehört, Kuhscheisse vollgekleisterten Schirm zu André und Sascha ins Auto. Nach Mitternacht angekommen beschliessen wir erst mal anständig zu schlafen. Am Morgen treffen wir dann auf Manfred, Fränzi, Geri und Josi. Die Prognosen sind nicht schlecht...am Samstag noch Nordwind und dann abnehmend...am Montag solls perfekt sein.

Langkofel
Auf dem Col Rodello blässt uns der Wind wie gewohnt schon früh um die Ohren. Starke Ablösungen definieren am Startplatz die Windrichtung und siegen gegen den Nordwind. Wir beschliessen ein bisschen zu warten bis es so richtig abgeht und starten nach dem Mittag.
Nach dem Start gehts ziemlich ordentlich hoch...schon nach ein paar Minuten später hänge ich an der Basis und muss runterspiralen um an den Langkofel zu queren. Geil...endlich! Langkofel von oben...Wunderschön! Diese verklüfteten Felsen sind einfach einzigartig. Und die Rabiate Thermik macht mir Spass...endlich mal etwas anderes als diese Sommer-2008 Bambithermik...endlich nagelt es mal wieder richtig! Bereits nach 20 Minuten frieren mir fast die Finger ab...es ist extrem kalt! Da der Norwind spürbar noch wirkt beschliesse ich nicht in die Sella/Pordoi Südwand zu fliegen. Obwohl da schon einige am drehen sind beschliesse ich mal Richtung Westen zu fliegen. Man hört doch immer von diesem Rosengarten...den will ich jetzt mal sehen. Auf ca 3200m fliege ich über dem Langkofel ab. Mit angelegten Ohren schleiche ich unter der Wolkenbasis durch...heute scheint es gratis zu gehen. Die erste Talquerung mache ich ohne einen Meter Höhenverlust. Sehr hoch fliege ich weiter. André folgt mir...tief. Nach einigen Querungen bin ich tief. Ich schaue zurück. André folgt mir immer noch...hoch! Bin ich jetzt doch zu optimistisch geflogen? Als ich beim Rosengarten um die Ecke an die Südwest Seite fliege kriege ich die Antwort. Ein Spülgang der Extraklasse. Dann fängts ungemütlich an zu bollern, schnell weg hier! Anscheinend bläst hier der Talwind unterstützt vom Nordwind über den Pass hinüber. Tief schiebe ich mich so weit wie möglich mit dem Talwind zurück Richtung Campitello di Fassa. Leider war es aber nie möglich eine Thermik mal so auszudrehen dass ich wieder Anschluss in höhere Gefilde gefunden hätte...und so strandet es mich in einem unbekannten Dorf. Gleich neben der Hauptstrasse finde ich einen super Landeplatz. Unglaublich viele SUV's bollern an mir vorbei bis ein Mini Cooper anhält. Ich musste schmunzeln und dachte sogleich an diese aktuelle Initiative in der Schweiz.
André stellt sich geschickter an als ich und kommt hoch über dem Rosengarten an. Dementsprechend schafft er es auch sich nach Campitello di Fassa zurück zu kämpfen. Eigentlich wollte er gleich am Abendstartplatz toplanden. Er brach den Versuch allerdings ab als am gleichen Ort ein Notschirm runter kommt. In den Dolomiten ein gewohnter Anblick. Am Landeplatz warten bereits alle...sogar Benno und Claudia sind inzwischen eingetroffen. Nur Geri kriegt nicht genug und "söselt" 4,5 Stunden das Tal rauf und runter. Wir entschliessen einen Abendflug von der Südseite vom Rodello zu machen.
Den dezenten Geruch als ich meinen Gradient Freestyle zum Kofferraum rausnehme erinnert mich schlagartig an den perfekten Soaring Tag am Hummel. Hoffen wir dass dies auch hier funktioniert.
Perfekte Bedingungen auch noch am Abend! Ich spiele mit meinem Freestyle in der Mulde neben dem Startplatz und an den Felsen herum. Benno fliegt sogar noch so spät mit seinem SOL Supersonic Langkofel, Sella, Pordoi und Belvedere ab.
Am nächsten Tag siehts am Startplatz irgendwie ruhiger aus. Werni und Pia sind nun auch angekommen. Weniger Ablösungen, sogar eine Inversion kann man sehen wenn man Richtung Marmolada blickt. Demotiviert warten wir lange am Startplatz und verpassen somit auch die beste Startphase. Kurz nach dem Mittag bricht nämlich auch schon der Nordwind durch. Dies erzeugt dermassen starke Verwirbelungen dass es einem Delta wenige Meter über dem Startplatz dermassen den Flügel anstellt dass er Rückenflug bekommt. Zum Glück schmeisste er unverzüglich seine Rettung. Kaum aufgegangen kommt der Pilot mit Gestänge auch schon zu Boden. Uffff...Glück gehabt! Solche Bilder motivieren einem auch nicht wirklich. Wir beschliessen unsere Geräte zusammen zu packen und an den Abendstartplatz zu gehen. Von dort aus müssen wir zusehen wie einige Piloten an der Nordseite der Marmolada hochsoaren. Das schmerzt einem Fliegerherzen. Mir gehen die Bilder durch den Kopf von diversen Interviews mit Top Piloten. Sätze wie: "Starte früh, wenn's los geht und du bist noch nicht in der Luft bist du zu spät!"

Marmolada (In der Mitte)
Wie wahr...diesen Tag haben wir versaut. Es wäre einiges möglich gewesen.
Ohne Ambitionen starteten wir dementsprechend zu unserem Abendflug. Es hämmert und bollert im Startschlauch. Ist ja auch nicht verwunderlich...fliegen wir bei Nordwind doch im Lee vom Rodello. André und ich beissen sich durch bis auf 2900 Metern. Schöne Höhe für einen Abendflug! "Komm, wir machen was draus!" Rufe ich ihm zu. Als hätter er bloss darauf gewartet drehte er Richtung Süden und setzte zur Talquerung an. Das war genau auch meine Idee...das einzig logische...mit dem Nordwind davon fliegen und irgendwo "Nicht-Lee-Thermik" zu suchen. :-) Auf der anderen Talseite ging es super gemütlich wieder bis auf 2900 Meter hoch. Hmmmmmm...zu geil für einen Abendflug! Der Tag ist noch nicht vorbei. Marmolada wir kommen! André fliegt voraus und versenkt sich am Fuss der Marmolada. Ich bemerke es früh genug und kann gerade noch umkehren um wieder aufzudrehen. Während ich wieder zum Startplatz zurück quere um oben reinzulanden schaue ich André zu wie er tief im Tal entlang kriecht. Wir scheinen uns mit diesem Spiel abzuwechseln. Trotzdem ein Super Tag und sogar noch viel gelernt! Am Abend belohnten wir uns mit einem Carpaccio und Pizzas die mit Baggermaschinen belegt waren (Die Tücken der Internet Übersetzungstools...). :-)

Crudo e Gorgonzola - Baggermaschinen mit Käse

So...heute soll der ultimative Tag sein!
Ich gehe mit zwei ganz bestimmten Vorsätzen an den Startplatz. Erstens, ich starte früh. Zweitens, ich nehme meine dicken Handschuhe mit. Die Lage ist total stabil. Aber so leicht lasse ich mich nun nicht mehr demotivieren. Als dann Dani Loritz mit seinem neuen Team5 Schirm als erster toplandet wusste ich dass es nicht mehr lange gehen kann. Benno ist schon gestartet. Jetzt ist's Zeit. Kurz nach dem Start haben wir uns schon zuoberst in den Startschlauch-Pulk eingeordnet. André und Benno queren bereits zum Langkofel. Ich mache zusammen mit einem ultra-gestreckten Advance Wettkampfschirm noch ein bisschen mehr Höhe. Beim queren sah ich dann dass es Thomas Koster, ein sehr guter und erfolgreicher XC und Advance Teampilot ist. Es ging alles zäher als an den beiden vorhergehenden Tagen.
Umso grösser war die Freude als ich dann über dem Langkofel war! Jetzt haben wir alles richtig gemacht! Wir sind heute die ersten über dem Langkofel...so geil! Benno, André, Thomas Koster und ich bilden ein hübsches Vierergrüppchen welches sich langsam Richtung Marmolada vorkämpft...bis zum Pordoi auf jeden Fall. Da versenkte ich mich nämlich wieder einmal und musste unter dem Belvedere kreisen gehen. Während ich mich unterhalb der Baumgrenze wieder mühsam nach oben kämpfte sah ich Benno und André mit unglaublicher Höhe beim queren Richtung Marmolada zu. Ein Grund mehr zu kämpfen! Nach etwa 20 Minuten habe ich es wieder an die Basis geschafft und quere mit 3200 Metern zur Marmolada. Jetzt kann nichts mehr schief gehen! Ab in die Südwand...

Angriff auf die Marmolada
An der Südwand bollert es mich in wenigen Minuten auf über 3400 Meter. Woowwww....endlich! Über die legendäre Marmolada hinwegfliegen...ein Traum geht in Erfüllung!!
Die Aussicht ist einzigartig. Die Landschaft in den Dolomiten ist spektakulär und skuril...wunderschön!

Marmolada Gipfel/Südwand mit atemberaubender Kulisse im Hintergrund.
Nach einigen verträumten Kreisen über dem Gipfel holte mich ein unfreundlicher Entlaster in die Realität zurück. "Mach mal was!" scheint mein Schirm zu schreien. Ich beschliesse einigen Hochleistern hinterher Richtung Westen zu fliegen. Als ich ein wenig aufgeholt habe sehe ich dass Benno und der Advance Wettkampfschirm auch dabei sind. Sie fliegen wohl auf dieser Route direkt zum Rosengarten und wollen ein Dreieck machen dachte ich und war sofort begeistert von dieser Idee. Nach einigen Kilometern realisierte ich allerdings dass ich bereits in 2 Stunden am Landeplatz sein müsste da wir um spätestens 5 Uhr nach Hause fahren wollen.
Falls ich mich jetzt hier versenke...ja dann, gute Reise! Mit kalten Füssen kürzte ich das Dreieck dementsprechend ab und zog eine Linie direkt zum Col Rodello. Da traf ich dann auch wieder auf André. Zusammen sind wir topgelandet und feierten unseren Marmolada Überflug! Genial...jetzt hats doch endlich mal geklappt! Auch Sascha konnte seine ersten Dolomiten Erfahrungen Sammeln und ist von diesem Gebiet schwer beeindruckt.
Und so fuhren wir alle glücklich und geschafft nach Hause...

Mehr Bilder von dieser Reise findest du in der Gallerie.
Ein so langer Text habe seit meinen obligatorischen Aufsätzen in der Schule wohl nie mehr geschrieben. Aber jetzt ist der Blog auf der neuen Seite immerhin schon mal eingeweiht!
:-)
Bis plötzlich,
Urs
Zuletzt geändert am: 15.08.2010 um 02:12
Zurück| Titel | von Administrator am 15.08.2010 um 10:11 |
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