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Rolling von Raul Rodriguez Acro Wings

12.04.2010
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Rolling von Raul Rodriguez Acro Wings

Veröffentlicht am 12.4.2010, geändert am 11.8.2010 von Urs Estermann

 

Über Acro & Freestyle

 

Acro und Freestyle fliegen hat in den letzten Jahren enorm an Popularität gewonnen. Viele junge Piloten fangen nun schon kurz nach der Schulung an Manöver zu trainieren wobei ihnen das erlernen der Manöver durch die nun vorhandenen Freestyle Geräte massiv vereinfacht wird. Vor etwa 5 Jahren kamen die ersten als offiziell "Freestyle-Gleitschirm" betitelten Geräte auf den Markt. Es war eine Mischung aus Intermediate und Acro Gleitschirm. Mit vernünftiger Flächenbelastung geflogen erlauben einem diese Geräte das erlernen der Manöver mit einem gewissen Spielraum für Fehler im Gegensatz zu den reinrassigen Acro Geräten und ermöglichen einem dennoch das Thermik- oder sogar Streckenfliegen.

 

 

Über den Tester

 

Ich selber fühle mich in der "Freestyle-Klasse" zu Hause da ich keinerlei Wettkampf Ambitionen habe und neben dem Freestyle fliegen die wirklich schönen Tage auch zum Streckenfliegen nütze. Ausserdem entwickelt ein reinrassiger Acro Schirm mit meiner relativ hohen Zuladung von ca 110kg eine Dynamik welche jenseits von Gut und Böse ist. Es ist eine einfach Rechnung: Ich habe mit 110kg Zuladung am 22 qm Freestyle Gleitschirm immer noch die höhere Flächenbelastung als ein Durchschnitts Acro Pilot (85kg Gesamtzuladung) an einem reinrassigen 18 qm Acro Gleitschirm. Meine ersten Fullstalls liegen nun schon einige Jahre zurück, den Sat und den Sackflug erlernte ich mit einem grossen Gradient Aspen. So ist es naheliegend dass der 2006 erschienene Gradient Aspen Freestyle 22qm die logische Fortsetzung zum Freestyle und Acro fliegen war. Vor etwa 2 Jahren habe ich mich dann zwischen einem neuen Gradient Freestyle 22, dem damals neuen Niviuk F-Gravity 22 und dem Ozone Octane FLX 22 für den letzteren entschieden. Nachdem ich die ganzen Basic-Manöver auf dem Octane FLX 22 gelernt hatte wechselte ich wieder zurück zum Gradient Aspen Freestyle da mir dieser vom handling her am besten entspricht. Zum Streckenfliegen fliege ich einen Gradient Avax XC2.

 

 

Über den Rolling

 

Liest man die Hersteller Info über den Rolling (download pdf-Datei) so scheint dieser in direkter Konkurrenz zum Ozone Octane FLX zu stehen mit dem ich auch während einem Jahr sehr intensiv geflogen bin. Anlass zum Testen gab mir meine Frau da sie einen tauglichen Freestyle Gleitschirm zum erlernen vom Heli sucht. Der Ozone Octane FLX ist allerdings mit seinen langen Traggurten und den langen Steuerwegen für eine leichte Frau nur eingeschränkt geeignet. Raul Rodiguez empfahl ihr persönlich den Rolling zu testen. Der Rolling 22 steht bei High Adventure in Dallenwil zum testen bereit.

 

Der Rolling hat sogar noch die kleinere Streckung als der Octane FLX welcher ja nun wirklich auch nicht gerade eine elegante Erscheinung am Himmel ist. Genau wie der Octane FLX ist der Rolling extrem gut verarbeitet und 100% auf Acro und extremste Belastungen gebaut. Geradezu zierlich erscheinem einem allerdings die schlanken Nova Traggurte welche aber sehr übersichtlich sind und mit dem genialen Raul Rodriguez Bremssystem (mit Neopron überzogenes Aluminium Rohr über den anschmiegsamen Neopren Schlaufen welche mit einem verstellbaren Elastik am Traggurt montiert sind) ausgestattet sind. Dieses System ist mir sehr sympatisch da ich exakt die gleiche Konstruktion an meinem Octane FLX verwendet hatte. Der Rolling hat massiv weniger Leinen als der Octane FLX. Die Bremsleinen haben wir nach dem ersten Aufziehen vom Schirm gerade mal um ca 15cm verkürzt so dass man den ganzen Bremsweg vom Schirm in einem angenehmen Bereich erfliegen kann. Dies ist bei jedem neuen Schirm notwendig, ich mag hier gar nicht erwähnen um wieviel ich die Bremsen vom Octane FLX kürzen musste. Diese elend langen Steuerwege scheinen für die DHV & EN Prüfungen (welche beide diese Geräte im Gegensatz zu den anderen Freestylern haben) notwendig zu sein. Zumindest ich kann damit nicht ernsthaft und kontrolliert Negativ Manöver erfliegen.

 

Achtung: Dieser Testbericht ist subjektiv und unabhängig. Er basiert rein auf meinem persönlichen Empfinden und kann für andere Piloten und Pilotinnen absolut abweichen. Vor allem Gewichtsunterschiede verändern das Verhalten von einem Freestyle Schirm enorm. Gemäss dem Hersteller Info Blatt (download pdf-Datei) fliege ich den Rolling 22 mit meinen 110kg aber im absolut obersten, roten Bereich. Es ist davon auszugehen dass meine Beschreibungen über Handling, Dynamik und Bremsdrücke für leichtere Piloten total anders sind.

 

Ich konnte mit dem Schirm einige Flüge in thermisch schwachen Bedingungen machen. Folgende Manöver habe ich getestet: Fullstall, Sackflug, Heli, Wingover, Loop, Sat, Asymmetric Sat. Falls möglich werde ich sicher noch weitere Flüge machen wobei ich die folgenden Manöver ausprobieren repektive verfeinern möchte: Heli, Sat to Heli und Dynamic Fullstall. Es besteht durchaus die Möglichkeit dass ich diesen Testbericht nach zusätzlichen Testflügen korrigieren oder ergänzen werde.

 

Start

 

Starten tut er einwandfrei, ich hatte jedesmal super Aufwind (Rückwärtsstart) und kann dementsprechend noch nicht allzu viel Details über die Starteigenschaften aussagen.

 

Thermik Handling & Leistung

 

Nach dem Start und dem direkten Einstieg in die Thermik war ich zuerst einmal überrascht wie gut der Schirm in der Thermik steigt. Im Gegensatz zum Octane FLX kann man den Rolling auch mit hoher Zuladung einigermassen flach und ohne dieses brutale Kurvensinken in der Thermik drehen. Trotz seiner geringen Streckung scheint er eine ziemlich ordentliche Leistung für einen Freestyler zu haben. Das Handling und die Steuerdrücke sind zum Thermik fliegen sehr angenehm. Ich konnte trotz schwachen Thermikbedingungen mit anderen Serienschirmen einigermassen mithalten. Der Blick hoch zum Schirm macht einen sympatischen Eindruck, das Vertrauen zum Schirm stimmte bei mir schon in der ersten Sekunde vom Flug. Dementsprechend Motiviert ging ich an das erste Manöver heran:

 

Fullstall

 

Langsam an den Bremsen gezogen bis zum Abrisspunkt wo der Schirm abkippt und nochmal freigeben zum Merken vom Abrisspunkt. Vom Steuerweg stimmt alles und mit der Verkürzung der Bremsleinen war für mich alles in einem angenehmen Bereich. Noch einmal schnell abreissen und ziehen bis der Schirm richtig schön das "Gipfeli" macht. Das Vorfüllen funktioniert für's erste mal schon tiptop, dementsprechend unspektakulär ist die Ausleitung. Ich würde sagen der Schirm schiesst leicht mehr als der Octane FLX, lässt sich aber leicht und effizient stoppen. Aus meiner Sicht absolut einwandfreies und einfaches Stallverhalten.

 

Sackflug

 

Beim ersten Versuch war ich ein wenig verwirrt über die herrschenden Bremsdrücke im Sackflug. Ich erfliege den Sackflug so dass ich den Schirm zügig anbremse bis er abreisst, bevor er nach hinten abkippt gebe ich die Bremsen wieder ein Stück frei und sobald der Schirm wieder gerade über mir steht ziehe ich noch einmal nach um ihn sauber über mir zu stabilisieren. Obwohl der Schirm vom Gespür her (Wind von unten) sauber sackte hatte ich immer noch einen definierten Druck auf den Bremsen. Bei allen anderen Schirmen die ich bis jetzt geflogen bin war an diesem Punkt nicht mehr viel Bremsdruck vorhanden. Speziell...fühlt sich aber eigentlich noch gut an.

 

Heli

 

Nachdem ich den Sackflug mit seinen speziellen Eigenschaften ein paar mal ausprobiert und durch das einwandfreie Stallverhalten schon viel Vertrauen zum Schirm aufgebaut hatte lasse ich den Rolling drehen. Genau wie der Octane FLX fährt die gelöste Seite einwandfrei an. Allerdings fängt mein Heli schon nach der ersten Umdrehung an zu eiern, da die Einleitung wohl nicht ganz sauber war. Es gelingt mir schon beim ersten mal den Heli leicht zu korrigieren. Da ich schon sehr tief war leite ich nach ein paar Umdrehungen schnell wieder aus. Ich gebe einen kurzen Stop Impuls auf der vorwärts drehenden Seite und lasse den Rolling wie den Octane FLX einfach anfahren. Das Vorschiessen ist so gering dass kaum die Bremsen benötigt werden. Nach mehreren Versuchen habe ich es bis jetzt immer noch nicht geschafft einen wirklich schönen, einwandfreien Heli zu fliegen. Dafür kann ich dementsprechend aussagen dass das Verhalten vom Rolling sehr freundlich und Fehler verzeihend ist. Obwohl ich zum Teil „üble“ Murks gemacht habe und den Rolling auch einfach mal in der Oszillation drin weiterdrehen lassen habe kam es nie zu einer brenzligen Situation. Ich kann allerdings aktuell nicht genau sagen wieso ich einfach keine sauberen Helis mit dem Rolling fliegen kann, denke aber es wird mit dem sehr speziellen Sackflug Verhalten zu tun haben das total anders ist als mit dem Octane FLX oder dem Gradient Freestyle. Vielleicht kann ich bald mehr dazu sagen...

 

Wingover

 

Darüber gibt es bei einem hoch belasteten Freestyle Schirm wirklich nichts auszusagen. Wingover sind so natürlich einfach und hoch zu erfliegen. Stützen und Gewichtsverlagerung ist bei meiner Zuladung nicht nötig.

 

Loop, Assymetrische Spirale

 

Der Rolling baut eindeutig mehr Dampf auf als der Octane FLX. Im Gegensatz zum Niviuk F-Gravity 22 und Icaro Nikita 22 ist der "Pfupf" ähnlich wie beim Gradient Aspen Freestyle schon ab der ersten Sekunde da. Der Rolling muss nicht aus der Reserve gelockt werden. Ein Loop kann mit meiner Zuladung easy auch einfach aus einem Sat heraus gezogen werden. Einfach nur Geil...!

 

Sat

 

Sat mit dem Rolling ist sehr einfach. Schon mit wenig Zug geht er sauber und fliesend in den Sat Zustand über. Dies kann auch meine Frau bestätigen. Für sie war der Sat mit dem Rolling wesentlich einfacher und mit weniger Kraft realisierbar als mit dem Octane FLX. Was der Rolling allerdings nicht so mag ist wenn man ihn ohne viel Schwung und zu schnell auf die "Nase" gehen lässt. Ich habe ihn einmal aus dem Sackflug heraus schiessen lassen und wollte ihn direkt beissen lassen, da ist mir die äussere Seite eingeklappt. Aber eventuell ist dies passiert da ich mit dem Gewicht nicht 100% gearbeitet hatte. Das musste ich damals auch mit dem Gradient Freestyle zuerst erlernen. Bei weiteren Testflügen werde ich dies nochmal ausprobieren. Was mich auch interessiert ist ob man den Sat abreissen kann ohne wickeln zu müssen (Sat to Heli). Dazu bin ich im Moment noch nicht gekommen.

 

Asymmetric Sat

 

Meine ersten Asymmetrischen Sat’s mit dem Rolling waren zwar hoch aber immer mit einem flatternden Aussenflügel. Dazu hatte ich mit Asymetrischen Spiralen viel Dampf aufgebaut. Der Bremsdruck war bei der Einleitung immer sehr hoch und im gleichen Moment flatterte die Aussenseite und ich machte eine hohe Umdrehung über den Schirm. Die zweite war automatisch flacher und der Schirm hätte wohl auch ohne ihn zu stoppen nicht viel böses gemacht. Ich denke das Sicherheitspotenzial vom Rolling ist sehr hoch trotz hoher Dynamik. Bei einem weiteren Testflug habe ich herausgefunden wie man einen schönen, offenen Asymmetric Sat ohne Klapper fliegt. Das Geheimnis liegt wohl eher im Timing als im Gewichtseinsatz und ist mit Worten schwer umschreibbar. Nun kann ich mit dem Rolling aber schöne & hohe Asymmetric Sat’s fliegen wobei er eindeutig mehr Dynamik und Power bietet als der Octane FLX.

 

Fazit

 

Der Rolling ist mehr als nur eine Alternative zum Octane FLX. Er bietet bei ähnlichen Sicherheitsreserven mehr Dynamik, feineres handling und bessere Gleitleistung. Das Handling ist wirklich gelungen, ein guter Mix zwischen leichtgängig und definiert. Für mich gibt es in dieser Klasse eigentlich 2 Klassen: Acro Anfänger Flügel und Freestyle Flügel. Von einem Freestyle Flügel erwarte ich dass er auch gute Gleitleistung und Steigverhalten hat. Von einem Acro Anfänger Flügel erwarte ich einfaches Stall & Heli Verhalten. Der Octane FLX ist ein super Acro Anfänger Flügel aber ein wirklich schlechter Gleitflügel. Der Gradient Freestyle ist ein super Freestyle Flügel mit genialem Handling aber anspruchsvollerem Stall & Heli Verhalten. Der Niviuk F-Gravity kombiniert beides, hat aber extrem harte Steuerdrücke und ein Handling das mir überhaupt nicht gefällt. Der Rolling scheint da ganz unerwartet Brücken zu schlagen.

 

Wir freuen uns auf weitere Flüge mit dem Rolling.

 

Urs & Carolina

 

Zuletzt geändert am: 14.08.2010 um 18:53

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